Musikverein "Eintracht" Obergrombach e.V.

Norwegischer Dirigent springt ein

HELGE HAUKAS ist Trompeter und Dirigent – manchmal gleichzeitig. Foto: kek Bruchsal - Obergrombach (kek). Ein Aufatmen geht durch die Reihen, langsam werden die Instrumente abgesetzt, legen die Schlagwerker ihre Trommelstöcke aus den Händen. Vorne, am Dirigentenpult und etwas erhöht, steht ein Mann mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht. Er bedankt sich bei den Musikern mit einem „Dankeschön, see you in Norway!“ – und erntet donnernden Applaus von den Ton-Akteuren. Die Musikprobe in der „Villa Eintracht“ in Obergrombach hatte etwas Ungewöhnliches an sich: Am Pult stand nicht wie gewohnt der etatmäßige Stabführer Philipp Zink, sondern der norwegische Profimusiker und Dirigent Helge Haukas.

Bereits seit 1977 pflegt der Musikverein „Eintracht“ Obergrombach enge Beziehungen zu dem norwegischen „Musikklag Haukas“ in der Nähe der zweitgrößten norwegischen Stadt Bergen. Beim ersten Besuch der Norweger im Kraichgau war damals auch ein Musiker namens Helge Haukas – ein begnadeter Trompeter. Als Dirigent Philipp Zink verkündete, dass es ihm beim besten Willen nicht möglich ist, den MVO auf die geplante Norwegenfahrt in diesem Jahr zu begleiten, da verschiedene musikalische Hochschulprojekte seine Anwesenheit zwingend erforderlich machten, war beim MVO guter Rat teuer. Bis sich jemand an Helge Haukas erinnerte: „Warum rufen wir nicht einfach einmal Helge an, ob er uns nicht in Norwegen dirigieren würde?“ Inzwischen hat sich nämlich Helge Haukas zu einem der profiliertesten Musiker und gefragtesten Dirigenten Norwegens entwickelt. Der Anruf wurde getätigt – und zu Überraschung der Obergrombacher sagte der Norweger sofort zu. Zu einem Probewochenende des MVO wurde der Norweger samt Tochter Sofie dazu eingeflogen. Nach einem ersten Abtasten gewöhnten sich Stabführer und Musiker und Musikerinnen aneinander. Dabei erlebten die Obergrombacher einen Dirigenten, der zwar auch einmal eine humorvolle Bemerkung fallen lässt, jedoch nie das Ziel aus den Augen verliert. Auch fällt Helge Haukas einmal in die englische Sprache, wenn ihm die Deutschkenntnisse zu einem musikalischen Problem fehlen. Und wenn’s gar nicht klappt, greift er zur Trompete und spielt jedem Instrumentenregister seine Vorstellung der Intonation einfach vor. So kam es vor, dass Haukas mit der linken Hand die Ventile seiner Trompete betätigte, mit der rechten Hand den Taktstock schwang und dazu noch mit Fuß mitwippte. In der nächsten Sequenz unterbrach Helge Haukas den Vortrag der Kapelle und eilte zu den Schlagzeugern nach hinten. Den Schlagwerker trommelte er dann in Tarzan-Manier auf seinem Brustkorb den richtigen Rhythmus vor.

Der Musikverein „Eintracht“ startet am 27. Mai zu seinem Norwegentrip. Dem konzertanten Teil kann er beruhigt entgegensehen: dank der guten Vorbereitung durch Philipp Zink und der Gewissheit, in Norwegen Helge Haukas am Dirigentenpult zu sehen.