Italienreise vom 01. bis 07. Juni 2001

Rund 50 verschlafene Gestalten verluden in der ersten lauen Juninacht beim Musikerheim sich und ihre Koffer samt Instrumenten in den Bus, damit pünktlich um 4 die Reise in den sonnigen Süden starten konnte. Über Basel, Gotthard, Chiasso, Mailand, Rimini und Ancona erreichten die Teilnehmer dann nach ca. 15-stündiger Fahrt ihr Ziel, nämlich Fabriano in der Nähe von Ancona. Dort angekommen wurden sie von ihren italienischen Musikfreunden des "Corpo Bandistico Citta di Fabriano" gleich mit einem Ständchen begrüßt. Nach dem freundlichen Empfang war dann auch schon ein reichhaltiges Abendessen bei den jeweiligen Gastfamilien angesagt.

Zur Besichtigung des historischen Zentrums von Fabriano hatten die Obergrombacher Musiker dann am nächsten Vormittag Gelegenheit, bevor auf zum traditionellen deutsch-italienischen Fußballspiel ging. Doch trotz intensiven Einsatzes unterlagen die Obergrombacher in einem spannenden Spiel ihren südländischen Freunden mit 4:2 Toren. Die sportliche Niederlage war beim abendlichen Kameradschaftsabend dann aber schnell wieder vergessen. Im Verlauf des gemeinsamen Festes bewiesen die Italiener nach einigen Grappas ihr Sprachtalent und stimmten ruckzuck mit den im vergangenen Jahr nach Norwegen verreisten deutschen Musikern ein norwegisches Lied an. Aber auch mit deutscher Blasmusik ließen sich die Italiener beeindrucken, wie die gelungenen Konzerte der Obergrombacher Musiker in Fabriano und in dem Gebirgsstädtchen Visso bewiesen.

GipfelstürmerAm Pfingstmontag stand dann ein Ausflug zur 1540 m über dem Meeresspiegel gelegenen Hochebene von Castellucio auf dem Programm. Dort erreichen die umliegenden Berge des Apennin eine Höhe von nahezu 2500 m. Abends erwartete dann die hungrigen Musiker ein 13-gängiges Menü mit für die Gebirgslandschaft typischen Speisen. So hatten sie der Reihe nach Wildsalami, Trüffelpasta, Bandnudeln mit Wildschweinsoße, Reh mit Trüffeln, Wildschweinbraten in Barolosoße, Fasan, Lamm vom Grill, Tomaten und Zucchini, Salat, frittierte Kartoffeln, Tiramisu, Früchte, Espresso und natürlich reichlich italienische Schnäpse vor sich, die dann auch wirklich nötig waren...

Gut erholt, aber immer noch satt ging's dann am nächsten morgen auf nach Genga, wo eine in spektakulärer Weise in eine Felsengrotte eingebaute Wallfahrtskirche die Reisenden begeisterte.
Den Unterschied zwischen Stalaktiten und Stalagmiten erfuhren die Obergrombacher Musiker dann in der Tropfsteinhöhle von Frassassi. Der größte Raum der Höhle ist so groß, daß sogar der Kölner Dom samt Turm darin Platz finden würde. Leider waren die Tage in Fabriano wie im Flug vergangen, so daß es am frühen Mittwochmorgen auch schon an der Zeit war, sich zu verabschieden. Allerdings war noch ein Tagesaufenthalt in Rom geplant. Die Musiker aus Fabriano hatten es doch tatsächlich geschafft für beide Orchester eine von allen mit Spannung erwartete Audienz beim Papst auf dem Petersplatz zu arrangieren. Nervenaufreibend gestaltete sich allerdings der Weg dorthin: Der gesamte römische Stadtverkehr schien sich gegen die Reisenden verschworen zu haben. Da aber bekanntlich alle Wege nach Rom führen, kamen die beiden Musikkapellen doch noch in allerletzter Minute vor dem Petersdom an. Dort waren für die Musiker auch prompt die besten Plätze reserviert. Sie sorgten dann von Angesicht zu Angesicht mit dem Papst für die musikalische Umrahmung der Audienz. In deren Verlauf begrüßte der Papst die angereisten Pilger in mehreren verschiedenen Sprachen. Natürlich wurde auch der Musikverein Obergrombach ebenso wie viele andere Pilgergruppen aus der ganzen Welt namentlich erwähnt und begrüßt.

PetersplatzDie von den Obergrombacher Musikern zur Audienz mitgebrachten Choräle waren allerdings zur Überraschung der Musiker und des Dirigenten nicht angesagt. Der Papst hatte zuvor übermitteln lassen, daß er vorwiegend lustige und lebhafte Stücke wünscht.
So wurde kurzerhand das Programm umgestellt und vor den rund 30.000 Zuhörern einige flotte Märsche gespielt. Ein erhebendes Gefühl war es dann, als beim Marsch "Hoch Badnerland" plötzlich mehrere hundert begeisterte Pilger mit einstimmten. Wie die Musiker später erfuhren, waren zur Audienz auch einige Sonderzüge mit badischen Pilgern aus dem Erzbistum Freiburg angereist. Diese ließen es sich natürlich nicht nehmen, das Badnerlied kräftig mitzusingen.
Vor dem Papst und einer solch gewaltigen Kulisse auf dem Petersplatz zu musizieren war sowohl für die Obergrombacher Musiker als auch für ihre italienischen Freunde vom "Corpo Bandistico Citta di Fabriano" ein wirklich bewegendes Erlebnis von bleibendem Erinnerungswert.

Den Rest des Tages nutzten beide Kapellen dann für eine ausgiebigen Besichtigung des Petersdoms und der näheren Umgebung. Am späten Nachmittag hieß es dann für die Musiker der beiden befreundeten Kapellen endgültig Abschied voneinander zu nehmen. Während die Musiker aus Fabriano wieder zurück nach Hause fuhren, erwartete die Gruppe aus Obergrombach noch ein letztes gemeinsames Abendessen in der ewigen Stadt, das sich dann über mehrere Stunden hinzog. Nach einer Zwischenübernachtung außerhalb von Rom erreichte der Obergrombacher Bus schließlich am späten Abend des darauffolgenden Tages wieder heimatliche Gefilde.

Besonders beeindruckend für alle Reiseteilnehmer war die sprichwörtliche südländische Gastfreundschaft, der italienischen Gastgeber, die den Aufenthalt in Fabriano für alle Obergrombacher zu einem unvergeßlichen Erlebnis machte. Auch die drei Verletzten, die unabhängig voneinander im Krankenhaus jeweils wegen eines Kapselanrisses am Knöchel behandelt werden mußten, sind inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf den Beinen. Aufgrund dieses wirklich außergewöhnlichen Verletzungspechs wird beim Musikverein Obergrombach erwogen, während der nächsten Auslandsreise eine Pilgerfahrt zu der Grotte der Bernadette nach Lourdes zu unternehmen, der Pilgerstelle für Kranke und Gebrechliche...

M.R.

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