Geschichten und Geschichte um die Entstehung und den Werdegang des Musikvereins "Eintracht" Obergrombach e.V.

gruender_k.jpg (15415 Byte)[...] In Obergrombach fanden sich bereit 1893 junge beherzte Männer zusammen, um gemeinsam zu musizieren und regelmäßig Proben abzuhalten. Diese Pioniere des späteren Musikvereins "Eintracht" Obergrombach (MVO) hatten sich damals allerdings keine leichte Aufgabe gestellt, da in einer wirtschaftlich schlechten Zeit an staatliche Zuschüsse nicht zu denken war. Nein, selbst die Nachbarschaft hatte sich bald über das "ewige Getue" beschwert und dies auch öffentlich angezeigt. Kurz entschlossen verlegten die jungen Männer ihre künftigen Proben ins freie Feld, der Enschelhohle. Ihr Ehrgeiz und Durchhalten wurde aber mit erfolgreichen öffentlichen Auftritten zu den verschiedensten Gelegenheiten bald belohnt. Die Zahl der Musikfreunde stieg und in den folgenden fünf Jahren konnte der junge Verein bereits 42 aktive und passive Mitglieder zählen. Nun gab es in den Sitzungen ernsthafte Überlegungen darüber, doch endlich einen "ordentlichen Musikverein" abzugeben, der schließlich auch dann 1898 in des Vereinsregister aufgenommen wurde. Ein Jahr später (1899) präsentierte man sich erstmals mit einem Unterhaltungskonzert als "MUSIKVEREIN EINTRACHT OBERGROMBACH" einem interessierten Publikum.

Ein großer Festtag bedeutete es für die Kapelle, als 1898 eine vereinseigene Baßtuba gekauft werden konnte. Stöbert man in den Protokollen alter Zeit weiter, so erkennt man auch unschwer den weiteren Zulauf zur Kapelle und es wurden damit auch immer mehr vereinseigene Instrumente angeschafft. So wurde auch dem Antrag der Generalversammlung vom 15.04.1907 zum Kauf einer Marschtrommel stattgegeben. Im Zusammenhang des 30jährigen Stiftungsfestes des MVO wurden die Väter der örtlichen Blasmusik allesamt zu Ehrenmitgliedern ernannt.

alte_kapelle_k.jpg (15943 Byte)Die Wirrnisse des I. Weltkrieges brachten es auch mit sich, daß in der Zeit vom 8.12.1914 bis zum 22.2.1919 keine Eintragungen vorliegen. Ab 1919, so liest man jedenfalls in den alten Aufzeichnungen, war es dann auch weiblichen Personen gestattet, Mitglied im Musikverein zu werden. Das war für jene Zeit recht ungewöhnlich, da die Mitwirkung in Musikvereinen ausschließlich Domäne der Männer war. Nun konnten quasi alle Obergrombacher dem Musikverein beitreten, sofern sie das Eintrittsgeld von 1RM aufbringen konnten. 1926 entstand neben dem Musikverein noch eine zweite Spielgruppe, der Musikzirkel. Dieses Orchester wollte als gleichwertiges Mitglied neben dem MVO stehen und sah sich selbst als Bereicherung des örtlichen Musiklebens. So kam es in den Folgejahren immer wieder zu Zwistigkeiten und Auseinandersetzungen der beiden Institutionen. Zum Glück wurde diese Angelegenheit 25 Jahre später, nämlich im Oktober 1951, durch eine außerordentliche Generalversammlung gütlich beigelegt: Musikzirkel und Musikverein schlossen sich zusammen, einst ausgeschlossene Mitglieder wurden rückwirkend wieder aufgenommen und fortan sollte "... zum Nutzen und Segen unserer Heimatgemeinde..." gemeinsam musiziert werden. Der ehemalige Musikzirkel spielte dann mit Billigung des MVO noch eine gewisse, unbestimmte Zeit als Streicherensemble weiter, und der Musikverein stellte bei Bedarf Musiker aus der Blaskapelle zur Verfügung.

fahne_k.jpg (14482 Byte)1927 wurde eine Vereinsfahne angeschafft, die ein Jahr später beim Stiftungsfest (1928) eingeweiht wurde. Es gab ein großes Fest und die Inschrift des wertvollen Tuches lautete "Suche das Schöne im Reich der Töne". Dieser Sinnspruch hat bis heute nichts an seiner Gültigkeit eingebüßt.

Von 1938-1946 ruhte das Vereinsgeschehen. Nach dem Zusammenbruch und dem folgenden Wiederaufbau kamen auch die Aktivitäten des MVO wieder in den Vordergrund. Nach und nach knüpfte man freundschaftliche Bande mit anderen Musikvereinen der näheren und weiteren Umgebung; mehr noch, die Musiker waren ehrgeizig genug, um, wie auch schon früher, regelmäßig an Wertungs- und Kritikspielen sowie an Bezirks- und Gruppenmusikfesten teilzunehmen. [...]

goldene7_k.jpg (13815 Byte)In den 50er Jahren hatte der MVO eine vereinsinterne Tanzkapelle, die viele Veranstaltungen in und außerhalb Obergrombachs in der Sparte Tanzmusik übernahm. Diese "Goldenen Sieben" bestanden in der Formation so lange, bis sich daraus 1967 die "Ruländer" rekrutierten. Ohne aus der inneren Bindung zum Musikverein auszubrechen, bereicherte diese Tanzkapelle örtliche Veranstaltungen aller Art. rul_k.jpg (19792 Byte)Darüber hinaus waren die "Ruländer" bekannt im Raum Bodensee, Darmstadt, Offenburg, Baden-Baden sowie der Pfalz und der Schwäbischen Alb. Heute existiert diese Gruppe allerdings leider nicht mehr.

Eine glückliche Hand bewiesen die Verantwortlichen und die Musiker bei der Auswahl und Bestellung ihrer Dirigenten. Wie an anderer Stelle aufgezeigt, war neben dem Fleiß und Ausdauer insbesondere die langjährige Arbeit der Dirigenten Garant für ein stets Aufwärts.

Völkerverbindend hat der MVO schon recht früh begonnen, mit Musikkapellen anderer Nationen freundschaftliche Verbindungen anzustreben.

Neben Besuchen in Österreich, Italien, Holland, ragt besonders die Freundschaft mit Haukaas in Norwegen heraus. Durch Dirigent Herrn Lepp und dem damaligen Vorsitzenden des MVO, Peter Adam, wurden alle Vorbereitungen für einen vorbehaltlosen Besuch getroffen.

Im Mai 1977 begann somit eine Freundschaft, die bis heute brieflich und zum Teil auf privater Basis gegenseitiger Besuche ihren Fortbestand hat.

Im Jahr 1988 konnte nach unendlich vielen Arbeitseinsätzen durch aktive und passive Mitglieder das eigene Vereinsheim auf dem Tanzberg bezogen werden. Probengestaltung, Vereinssitzungen und Veranstaltungen können nun in den eigenen Räumen abgehalten werden.

unterricht_k.jpg (13890 Byte)Im Bereich der Jugendarbeit wollte man im Verein unter dem musikalischen Leiter Herrn Lepp neue Wege in Sachen Jugendarbeit beschreiten. Bemerkenswert bleibt die Tatsache, daß das Bemühen um eine sinnvolle Jugendarbeit sich schon seit 1906 kontinuierlich nachweisen läßt, denn bereits von diesem Zeitpunkt an wurden junge, interessierte Jugendliche von begabten Musikern an den Instrumenten ausgebildet. Schriftliche Dokumente lassen die Erfolge solcher Jugendarbeit nicht unerwähnt. So trat eine eigenständige Schülerkapelle unter dem Jugendleiter J.Rödelstab erstmals außerörtlich in Helmsheim auf, wirkte 1964 beim Landesmusikfest in Bruchsal mit und stellte sich 1971 mutig dem Jugendkritikspiel in Ubstadt.

Kontinuität in der musikalischen Arbeit, Geselligkeit und Kameradschaft waren und sind die Eckpfeiler der Vereinsphilosophie.

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[Aus der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum des Musikvereins "Eintracht" Obergrombach 1893 e.V. vom 26.-28.Juni 1993. Text von Klaus Bopp]